Mit Trollen abgeben?

Eine alte Regel im Internet lautet: Don’t feed the troll.

Und ein häufiger und gut gemeinter Ratschlag von Kollegen lautet: Den änderst du eh nicht.

In der Tat. Man bekehrt keinen Troll, keinen ernstzunehmenden „Reichsbürger“, überhaupt: kaum jemanden mit einem abgeschlossenen Weltbild. Wieso es unter Umständen dennoch sinnvoll sein kann, wohlüberlegt auf zweifelhafte Kommentare zu reagieren:

  • Besonnene, reflektiertere Leser, vor allem aber Zweifler, die nicht so recht wissen, wem sie glauben sollen, verfolgen Diskussionen auf Facebook und Co. häufig haarklein. Sie sind die vielen (leider) stillen Mitleser. Auch wenn sie sich selbst in rüden Diskussionen zurückhalten, interessiert sie häufig, wie die Zeitung sich zu einem Vorwurf verhält. Wir wurden monatelang positiv auf unsere Einmischung in Diskussionen angesprochen, die wir teils selbst bereits wieder vergessen hatten.
  • Nicht jeder kommt im Bösen. Ein Beispiel: Der Vorwurf, Medien seien gesteuert und würden alle das Gleiche berichten, kann von einem wenig zugänglichen „Lügenpresse“-Rufer kommen. Dahinter kann aber auch jemand stecken, der unbeholfen im Umgang mit moderner Technik ist (was überraschend häufig vorkommt). Wer ein paar News-Apps auf seinem Smartphone installiert hat und nicht weiß, wie Nachrichtenagenturen und Eilmeldungen funktionieren, gerät schon mal ins Zweifeln – beispielsweise bei Pushmeldungen im identischen dpa-Wortlaut. Wer hier nicht antwortet, ignoriert im schlechtesten Fall aufrichtig interessierte Leser. Und wer es mit Ironie (die Kanzlerin rief auf dem roten Telefon an …) übertreibt, veräppelt ebendiese. Überhaupt haben wir gelernt, mit Ironie vorsichtig umzugehen. Auch wenn sie den aus unserer Sicht Richtigen trifft und zugegebenermaßen amüsant zu lesen ist: an die stillen, häufig hin- und hergerissenen Mitleser denken!
Gerüchte, Fake-News und Hate-Speech: In der Lokalredaktion des Zollern-Alb-Kuriers haben wir rund um die Berichterstattung über die LEA Meßstetten gelernt, wie Journalisten mit diesen Herausforderungen umgehen können. An dieser Stelle beantworte ich in loser Reihenfolge die häufigsten Fragen, die mich zu unserer Arbeit erreichen und stelle Beispiele vor.

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